Nachbarrecht

Wie die anwaltliche Praxis zeigt, ist es nicht immer einfach, ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zu pflegen. Es kommt oft zu Unklarheiten und Zweifeln über den Umfang der nachbarschaftlichen Pflichten und Rechte.

  • Streitigkeiten können sich bereits ergeben, wenn der genaue Grenzverlauf nicht feststeht oder ein fehlender/verrückter Grenzstein wieder neu gesetzt werden muss. In diesem Zusammenhang stellt sich dann die Frage, wer die Kosten für die Neuvermessung der Grundstücksgrenze zu tragen hat.
  • Es kommt oft zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Nachbarn über die Zulässigkeit der Errichtung eines Zaunes, Sichtschutzwand oder einer ähnlichen Grundstückseinfriedung. Grundsätzlich kann jeder Nachbar auf seinem Grundstück einen Zaun, eine Mauer etc. errichten. Solange hierfür nicht das Nachbargrundstück in Anspruch genommen wird, bedarf es nicht der Zustimmung des Nachbarn. Soll der Zaun dagegen direkt auf der Grundstücksgrenze errichtet werden, ist dies nur mit Zustimmung des Nachbarn gestattet. Genehmigt der Nachbar die Errichtung, sind beide Nachbarn für den Unterhalt und Reparatur des Zaunes zu gleichen Teilen verantwortlich. Steht an der Grenze des Grundstücks die Mauer eines Gebäudes- eine sogenannte Grenzwand- ist der Eigentümer des Grundstücks, auf dem das Gebäude steht, auch für den Unterhalt der Grenzwand verantwortlich. Anders kann sich die Rechtslage bei einer sogenannten Kommunmauer, d. h. einer Gebäudemauer auf der Grundstücksgrenze, darstellen.
  • Nicht selten sind Lärm und Gerüche, welche vor der Grundstücksgrenze keinen Halt machen, Auslöser für nachbarschaftliche Auseinandersetzungen, sei es die zur Nachtzeit dröhnende Stereoanlage, der am Sonntag knatternde Rasenmäher, die ständigen Gartenpartys, das permanente Hundegebell oder die „anregenden“ Gerüche eines Komposthaufens. Immer ist eine Einzelfallbetrachtung unter Heranziehung der besonderen örtlichen Gegebenheiten erforderlich, um klären zu können, ob die vom Nachbargrundstück ausgehenden Immissionen den gesetzlichen Regelungen widersprechen.
  • Oftmals sind Art, Umfang und einzuhaltende Grenzabstände der an der Grundstücksgrenze vorhandenen Bepflanzung im Streit. Auch über die Grundstücksgrenze herüberhängende Äste von Bäumen, herüberwachsende Wurzeln, Laubfall und Samenflug sind immer wieder Ausgangspunkte für Streitigkeiten zwischen Grundstücksnachbarn.
  • Schließlich kommt es auch immer wieder zu klärungsbedürftigen Situationen, die ein Betreten des Nachbargrundstücks erforderlich machen. Die Einräumung eines Notwegerechts oder die Beseitigung eines Überbaus an der Grundstücksgrenze sind tägliche Rechtsfragen im Nachbarrecht.

Soll das nachbarschaftliche Verhältnis nicht durch jahrelange Rechtsstreitigkeiten beeinträchtigt werden, ist es ratsam, einen spezialisierten Rechtsanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht zu konsultieren, um den Umfang der gegenseitigen Rechte und Pflichten klären zu lassen.

Weitere Rechtsgebiete rund ums Immobilienrecht